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Anleitung zum Schraffieren

  


Workshop von Marcel Stach (22.04.2013)


Für die räumliche Darstellung bzw. dem Schattieren von Objekten verwende ich vor allem beim Zeichnen von Skizzen die Schraffurtechnik. Diese lässt sich schnell anwenden und ist für mich nicht so zeitaufwändig als das Verwischen von Bleistiftlinien.

Welche Arten der Schraffur ich einsetze und welche Zeichentechniken gar keine andere Möglichkeit als zu schraffieren zulassen, das möchte ich Euch mit vielen Beispielen in diesen umfangreichen Blogartikel beschreiben.

Wie auch viele andere Dinge beim Malen und Zeichnen, so gibt es auch beim Schraffieren keine Gesetze oder Anweisungen. Richtig oder falsch gibt es nicht.

Warum dann einen Blogartikel darüber schreiben? Ich möchte Euch gerne zeigen, wie ich meine Skizzen und Zeichnungen schraffiere. Dieser Artikel soll dazu dienen, Euch das Thema der Schraffur näher zu bringen und praktisch anzuwenden.


Zeichnung Spitzmaschine

Schraffurzeichnung "Spitzmaschine"
Abbildung 1.1



Schraffieren oder Verwischen

Bleistiftzeichnungen lassen sich mit einem Papierwischer, einem Tuch oder mit anderen Hilfsmitteln leicht verwischen. Es gibt aber auch Zeichentechniken, welche ein Verwischen schwer oder gar nicht zulassen. Hierbei denke ich an das Zeichnen mit einem Kugelschreiber, Tuschestifte oder Zeichenfedern. Hinzu kommen noch ganz spezielle Techniken, wie der Brandmalerei, dem Gravieren, der Typographie oder dem Kupferstich. Hierbei ist das Schraffieren ein nahezu unverzichtbares Gestaltungsmittel.


Schraffurarten

Ich selber unterscheide beim Schraffieren unter der linearen Schraffur, der Musterschraffur und der Formschraffur. Wobei letztere bei mir, bis auf einige Ausnahmen, eine Unterkategorie der linearen Schraffur zu verstehen ist.

Schraffur Perspektivisch Schraffur nicht Perspektivisch
Schraffur Perspektivisch Schraffur geradlinig
Abbildung 1.2


Lineare Schraffur

Die mit Abstand am häufigsten von mir bisher gesehene und auch von mir selbst angewendete Schraffurtechnik ist das Verwenden von einfachen, paralellen Linien. Sicherlich, weil diese unkompliziert und schnell angewendet ist.

Es hat sich für mich als positiv erwiesen, wenn die Schraffurlinien bei der linearen Schraffur, insofern es möglich ist, der Perspektive des Objektes folgen. Beim Betrachten der Zeichnung entsteht für mich so mehr der Eindruck von Räumlichkeit (siehe Abbildung 1.2).

Nachfolgend habe ich Euch eine paar Beispiele aufgelistet, welche Anordnung der Linien bei meinen Zeichnungen und Skizzen hauptsächlich zum Einsatz kommen.


Senkrechte Linien Kreuzschraffur Waagerechte Linien
Beispiel Senkrecht Beispiel Kreuzschraffur Beispiel Waagerecht
Senkrechte Linien Kreuzschraffur Waagerechte Linien

Kreuz- und Senkrechtschraffur Kreuz-, Senkrecht- und Waagerechtschraffur
Beispiel Kreuz- und Senkrechtschraffur Beispiel Kreuz-, Senkrecht- und Waagerechtschraffur
Kreuz- und
Senkrechtschraffur
Kreuz-,
Waagerecht- und
Senkrechtschraffur


Musterschraffur

Bei der Musterschraffur lässt sich jedes erdenkbare Muster anwenden. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Häufig gibt schon die Oberflächenstruktur des zu zeichnenden Objektes das eigentliche Muster vor. Ganz speziell denke ich dabei an die Maserung einer Holzoberfläche, welche sich auch als Muster einer Schraffur anwenden lässt (siehe Abbildung 1.1).

Welche Muster ich anwende und speziell für diese Anleitung zusätzlich erdacht habe, das könnt Ihr in der nachfolgenden Auflistung sehen:


Punktschraffur Kritzelschraffur Kreisschraffur
Beispiel Punkte Kritzel Kreise
Punkte Kritzel Kreise

Endlosachtschraffur Dreieckschraffur
Beispiel Endlosacht Beispiel Dreieck
Endlosacht Dreiecke


Formschraffur

Die Schraffurlinien folgen bei der Formschraffur, wie der Name bereits erahnen lässt, der Form des Objektes. Hierbei verwende ich parallele als auch sich kreuzende Linien. Nachfolgend habe ich Euch zwei Beispiele gezeichnet, welche die Formschraffur verdeutlichen soll:

Beispiel (1) Formschraffur Beispiel (2) Formschraffur

Beispiel: Formschraffur



Mit der Schraffurtechnik Objekte schattieren

Wie Eingangs erwähnt, lassen sich Bleistiftlinien leicht verwischen und somit ist es auch ohne weiteres möglich, unterschiedliche Helligkeitsstufen, welche gerade beim Schattieren sehr wichtig sind, zu erzeugen. Beim Schraffieren bin ich jedoch gezwungen eine andere Technik anzuwenden, um helle und dunkle Bildbereiche entsprechend voneinander zu trennen.

Der Abstand der Linien als auch des Musters bestimmt welche Bereiche im Bild dunkler oder heller erscheinen sollen. Bei der linearen Schraffur ist es entscheidend wie groß der Abstand zwischen den einzelnen Schraffurlinien ist. Je dichter die Linien angeordnet sind, umso dunkler erscheint auch die entsprechende Fläche (siehe Abbildung 1.3 a und d). Zudem ist es auch möglich, wie in Abbildung 1.3 c zu sehen, mit der Strichstärke zu experimentieren.

Einen harmonischen Verlauf von dunkel bis hell oder umgekehrt zu schraffieren erfordert etwas Übung. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das Zeichnen von kurzen unterbrochenen Strichen, welche dem Schraffurmuster folgen den Verlauf gleichmäßiger und harmonischer erscheinen lassen. Abbildung 1.3 b soll dies verdeutlichen.

einfacher Linienabstand
(a)
kurze Striche
(b)
variable Linienstaerke
(c)
abnehmende Kreuzschraffur
(d)

Abbildung 1.3



Das richtige Zeichengerät

... gibt es nicht. Bei Verwendung eines Bleistiftes ist es egal ob es einer der Härte H, HB oder einer der weicheren, der B-Reihe ist. Wichtig zu wissen ist lediglich, dass Bleistifte hohen Härtegrades (H-H9) das Zeichenpapier leicht eindrücken, was jedoch aber beim Schraffieren eher weniger von Bedeutung ist. Bei Verwendung von weichen Bleistiften (B-B9) empfehle ich, diese zwischendurch nachzuspitzen, da mit der Zeit die Schraffulinien dicker werden.

Der Einsatz von Zeichenfedern und Tusche ist eine sehr alte Technik, welche mit etwas Übung sehr viel Spaß machen kann. Wer Experimentierfreudig ist, kann die Zeichenfeder auch gegen eine Kalligraphiefeder austauschen. Hierbei lassen sich sehr interessante Effekte erzielen. Zu beachten ist, dass die Feder, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, nur im Zug verwendet werden kann. Daher auch der Name Zugfeder. Andernfalls zerstöre ich nicht nur die Feder sondern reiße auch das Zeichenpapier ein.

Bleiben als letzte nennenswerte Kandidaten noch der Kugelschreiber und der Tuschestift übrig. Ob sich ein Kugelschreiber zum Schraffieren eignet, bleibt eher Geschmacksache. Es bleibt nur darauf zu achten, dass diese mit unterschiedlichem Druck auch unterschiedlich starke Linien erzeugen.

Mit Tuschestifte zeichne ich sehr gerne. Diese finden zwar hauptsächlich ihren Einsatz beim Technischen Zeichnen, eignen sich aber auch hervorragend zum Schraffieren. Viele der in diesem Artikel gezeigten Skizzen und Beispielzeichnungen sind mit Tuschestifte gezeichnet (Abbildung 1.3 / 1.4). Der Vorteil gegenüber der klassischen Zeichenfeder liegt darin, dass ich mit diesen Stiften sehr feine Linien zeichnen kann und dass diese kontinuierlich Tusche abgeben – ein regelmäßiges eintauchen in ein Tuschefässchen entfällt.

Abbildung Zeichenfeder
Zeichenfeder
Ansicht vergrößern
Abbildung Tuschestift
Tuschestift
Ansicht vergrößern

Ein weiterer Vorteil bei der Verwendung von Tuschestiften liegt darin, dass ich den Zeichenkegel (Zeichenspitze) austauschen kann. Hierbei sind sehr feine Linienstärken von zum Beispiel 0,18 mm oder auch von 1 mm möglich. Der Anschaffungspreis ist zwar recht hoch, wer aber gerne mit der Schraffurtechnik zeichnet, für den lohnt sich die Anschaffung auf jeden Fall trotzdem.



Praktische Beispiele

Um die zuvor gezeigten Schraffurarten etwas genauer zu verdeutlichen, habe ich Euch drei Würfel und eine Pyramide als praxisbezogene Beispiele gezeichnet.

Der Würfel in Abbildung 1.4 a zeigt eine einfache Ziegelwand, welche nur mit der linearen Schraffur gezeichnet ist. Wohingegen der benachbarte Würfel in Abbildung 1.4 b einen verwitterten Farbanstrich oder den Teil einer zerfallenen Hauswand darstellen könnte. Da ich diesen Würfel, wie auch alle anderen Beispiele, mit Tuschestifte gezeichnet habe, lag es für mich nahe die hellen Linien für eine bessere Orientierung mit einem weichen Bleistift vorzuzeichnen und später wieder heraus zu radieren.

Beispielschraffur Ziegelwand
(a)
Beispielschraffur Hauswand
(b)
Beispiel für Kritzelschraffur
(c)
Beispielschraffur Pyramide
(d)

Verschiedene Schraffurbeispiele
Abbildung 1.4



Interessant in der Auflistung finde ich die Kritzelschraffur bei dem Würfel in Abbildung 1.4 c. Um ehrlich zu sein, habe ich diese Schraffurart noch nie zuvor ausprobiert und war umso mehr erstaunt, wie einfach mir das Zeichnen der Linien von der Hand ging. Als kleinen Tipp möchte ich Euch empfehlen, die Schraffurlinien nicht aus dem Hand- sondern locker aus dem Armgelenk zu zeichnen. In dunkleren Schattenbereichen mehr zu kritzeln und in helleren weniger.



Schlusswort

Abschließen möchte ich diese Anleitung zum Schraffieren mit einem von mir speziell für diesen Workshop gezeichneten Krug und bedanke mich bei Euch für das Lesen dieses Artikels.

Wer noch Fragen, Anregungen oder Kritik hat, der darf diese natürlich gerne als Kommentar in das nachfolgende Formular eingeben.

Schraffurzeichnung: Krug

Schraffurzeichnung "Krug"


Artikelbewertung




Kommentare

heidemarie bopp-geske 27.08.2013 16:25 Uhr

mit ihrer anleitung kann ich gezielter straffuren üben,danke
Marcel Stach 28.08.2013 01:12 Uhr

Das freut mich @heidemarie bopp-geske, dass ich Ihnen mit meiner Anleitung etwas helfen kann. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Spaß beim Zeichnen.

Viele Grüße, Marcel Stach
Peter P.Gray 17.11.2013 23:04 Uhr

Schön übersichtlich gegliedert und klar geschrieben! Frage mich, warum das in vielen Büchern zum Thema Zeichnen nicht möglich scheint...Danke für den Artikel!
Marcel Stach 18.11.2013 02:21 Uhr

Hallo, Peter, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich denke mal, dass es in den Büchern nicht an den Autoren liegt, vielmehr an den einzelnen Verlagen, denen sie unterliegen. Diese mögen es (vielleicht aus Kostengründen) eher gerne kurz und knapp.

Viele Grüße, Marcel Stach
Michaela Heller 03.05.2014 08:32 Uhr

Ich bin ganz "aus dem Häuschen", eine so schöne Seite, wie die Ihre gefunden zu haben! In den vergangenen Wochen habe ich mir alles zusammengekauft, was ich wohl so zum Zeichnen und Malen mit Bleistift, Kohle etc. brauche. Auch das eine oder andere Büchlein. Aber dieses wirklich "Schritt für Schritt" herangeführt, hat mir überall gefehlt. Nun lese ich auf Ihrer Seite und kann es kaum erwarten, mich am Nachmittag hinzusetzen und eben "Schritt für Schritt" zu beginnen! Vielen Dank für diese schöne Seite!
Steffi 12.05.2014 09:18 Uhr

Hallo Marcel,

ich glaube ich war schon das ein oder andere Mal auf deiner Seite. Jetzt habe ich sie wieder gefunden und dich bei Facebook gleich geliket (wie es neudeutsch heißt).

Grade hier dein Artikel zum Schraffieren hat mir sehr gut gefallen. ;)


LG Steffi
Gabriele 22.02.2017 18:10 Uhr

Lieber Marcel,

deine Beispiele haben mich sehr inspiriert!

Herzlichen Dank dafür
Gabriele



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